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Von Sölle, Dorothee
Publik Forum, Größe im aufgeklappten Zustand: 31 cm x 44 cm.
ISBN: 978-3-88095-217-1
12,90 €
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Dorothee Sölle traf ich zum letzten Mal am 1. Dezember 2001 in der Mittagszeit. Sie hatte gern die Laudatio für Horst-Eberhard Richter übernommen, der an diesem Tag den Deutschen Fairness Preis der Fairness-Stiftung bekam. Und sprachmächtig, sensibel, forsch und tiefsinnig wie immer fragte sie: "Brauchen wir nicht eine andere Sprache als die der Wissenschaft? Brauchen wir nicht andere Wünsche als die uns diktierten? Leben in seiner Fülle für alle - brauchen wir nicht, um das wünschen zu können, eine andere Kraft als die der rationalen Vernunft? Brauchen wir nicht das Glauben und das Hoffen, um irgendwann das Lieben zu lernen?" Sie war eine exzellente Vertreterin dessen, was sie selbst "Theopoesie" nannte. Dahinter steckte ihre Überlegung, dass es falsch sei, "wenn die religiöse Sprache zur Angelegenheit von Spezialisten gemacht wird". Eine wesentliche Ursache des wachsenden religiösen Analphabetismus lag für sie darin, dass die christlichen Kirchen die Menschen oft als Unmündige behandeln. Notwendig sei heute eine neue Theopoesie, in der auch Laien ihre religiösen Sehnsüchte und Wünsche zum Ausdruck bringen könnten. Theopoesie - besser lässt sich die Lyrik Dorothee Sölles nicht charakterisieren. Und davon finden sich in diesem Kalender 12 ihrer besten Stücke. Als spirituelle Wegzehrung durch das Jahr, wie sie es selbst an einem Beispiel erläuterte: "Ein unvergessliches Erlebnis hatte ich einmal mit einer Enkelin von mir. Als sie bei uns zu Besuch war, räumte sie uns alle Tassen aus dem Schrank, richtete ein Café ein und lud viele Gäste ein, die nicht sichtbar waren. Sie schenkte diesen Kaffee ein und war ganz vergnügt dabei. Nach einiger Zeit sagte ihre Mutter: »Du musst jetzt aufhören und aufräumen, denn wir wollen gleich essen.‹« Und daraufhin sagte das Kind: »Mama, du denkst immer nur in echt!‹ Dieser Satz meiner Enkelin ist mir derart aufgefallen, dass ich mir dachte: Eigentlich denke ich meistens gar nicht ›in echt‹, sondern in Gott oder Transzendenz oder wie es anders sein könnte.« Mal nicht »in echt« denken, mal auf die andere Seite der Wirklichkeit gehen, ohne diese zu verlassen, ja, gerade, um sie von der anderen Seite viel besser zu sehen und dabei sich selbst in der Verbundenheit mit allem und allen zu verstehen - das ist Spiritualität in der Art Dorothee Sölles, wie sie in diesem Kalender zu entdecken ist. Dorothee Sölles Gedichte wollen für Sie in diesem Kalender spirituelle Begleiter durch das Jahr sein. In der Komposition aus Gedicht, Foto, Farbe und Kalendarium laden die 12 Doppelseiten, an der Wand aufgehängt, zum gelegentlichen Verweilen ein. Und provozieren dazu, die engagierte Leidenschaft für das Leben und die solidarische Liebe wachzuhalten gemäß dem mystisch-politischen Leben Jesu. Mit Gottes Segen. Das wünsche ich Ihnen für 2012!
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