Das Handwerk des Familienstellens

Eine Einführung in die Praxis der systemischen Hellinger-Therapie

Von Ulsamer, Bertold

Goldmann, 2001. 255 S., Kartoniert

ISBN: 9783442141975

9,00 €

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Die Hellinger-Therapie verstehen und praktizieren Bertold Ulsamer führt in die Praxis der Hellinger-Familientherapie ein. Er zeigt, wie durch das Aufstellen von Familienkonstellationen Konflikte aufgedeckt werden können. Ausgehend von eigenen Erfahrungen und unterlegt mit zahlreichen Fallbeispielen, reflektiert er die Arbeit und Rolle des Therapeuten, befasst sich mit dem Einsatz der Sprache und erläutert den Umgang mit Emotionen. Ein praktisches Lehrbuch für Therapeuten und alle, die tiefer in die Arbeit des Familienstellens eindringen wollen.

Teil I

Grundlagen

Jedes Handwerk hat Grundlagen und Grundhaltungen. Der Schreiner braucht Achtung vor dem Holz als lebendigem Material. Erst mit dieser Haltung wird er seine Werkzeuge geschickt und angemessen einsetzen.

Wer sich mit dem Handwerk des Familien-Stellens auseinander setzt, spricht deshalb sinnvollerweise erst von seinen Grundlagen. Ohne sie bleibt das handwerkliche Können beschränkt und wird zur Mechanik. Erst auf den richtigen Grundlagen kann es sich entfalten und weiterentwickeln.

Wer die Grundlagen des Familien-Stellens anschaut, wird dabei auf manches Bekannte stoßen. Denn erfolgreiches therapeutisches oder beratendes Handeln ähnelt sich in vielen wesentlichen Bereichen. Die Gemeinsamkeiten guter Therapeuten vieler unterschiedlicher Richtungen sind doch - bei allen Unterschieden - recht groß. Beispielsweise ist überall ein guter Kontakt mit dem Klienten die notwendige Ausgangsbasis, um konstruktiv auf ihn einzuwirken. Auch werden die persönlichen "blinden Flecken" eines jeden Therapeuten sein Handeln ungünstig beeinflussen. So ist vieles, was für den Familiensteller als Grundlage wichtig ist, auch in anderen Therapien bedeutungsvoll.
Dennoch gibt es zwei Bereiche, die sich deutlich von anderen Richtungen unterscheiden und die als Grundlagen für das Familien-Stellen entscheidend sind: das "wissende Feld" und die phänomenologische Grundhaltung.

Bevor ich darauf eingehe, stelle ich für diejenigen, denen das Familien-Stellen neu ist, eine kurze Einführung in den Ablauf eines Familienaufstellungsseminars voran.

Der Ablauf einer Familienaufstellung

In offenen Seminaren, so wie ich sie durchführe, treffen sich Teilnehmer, von denen jeder seine Familie aufstellen will. Meistens kommen sie für sich allein, denn die anderen Mitglieder ihrer Familie brauchen sie nicht für diese Arbeit. Manchmal kommen auch Geschwister, ein Elternteil mit einem Kind oder Paare. Seminare dauern meist zwischen zwei und fünf Tagen. Während dieser Zeit stellt jeder Teilnehmer einmal mithilfe der anderen Teilnehmer seine Familie auf. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Aufstellungen, einmal die der Familie, aus der jemand kommt (Ursprungssystem), und zum anderen die des Beziehungsnetzes des eigenen Lebens mit Partnern und Kindern (Gegenwartssystem).

Die praktische Durchführung sieht so aus: Wer aufstellen will, wählt zunächst Stellvertreter für jedes wichtige Mitglied der Familie - und auch für sich selbst. Anschließend gibt der Klient spontan, ohne zu sprechen und ohne jede weitere Erklärung, jedem Stellvertreter der Reihe nach im Raum einen Platz und eine Blickrichtung.

Wenn alle aufgestellt sind, nimmt der Klient wieder Platz. Von jetzt an bis zum Ende der Aufstellung ist er nur noch Zuschauer und beobachtet das, was der Leiter und die Stellvertreter sagen und tun.
Der Leiter bittet die Stellvertreter, sich auf die Empfindungen an ihrem Platz einzulassen. Nach kurzer Zeit fragt er sie einzeln nach ihren Wahrnehmungen. Spannungen, die in der Familie vorhanden sind, kommen dabei ans Licht. Im ständigen Kontakt mit den Rückmeldungen der Stellvertreter sucht der Leiter nach individuellen Lösungen. Diese spiegeln die Ordnungen wider, die Hellinger in seiner langjährigen Arbeit mit Aufstellungen herausgefunden hat. Häufig erweisen sich Lösungssätze als hilfreich, die ein Ausdruck dieser Ordnungen sind.

Eine Aufstellung dauert im Regelfall zwischen 20 und 45 Minuten, aber auch kürzere und längere Aufstellungen kommen vor.

Ziel bei der Aufstellung der Ursprungsfamilie ist es nicht, die unendliche Vielfalt aller Verbindungen in einer Familie aufzudecken, sondern nur die stärkste Verstrickung, in der jemand gefangen ist und die seine Kraft bindet. Insbesondere die Verbindungen mit früh verstorbenen und ausgeschlossenen Familienmitgliedern sind wichtig.
 

Über den Autor:

Dr. Bertold Ulsamer ist promovierter Jurist und Diplompsychologe. Er arbeitete zunächst als Psychotherapeut, spezialisierte sich dann auf NLP und war damit 15 Jahre lang als Managementtrainer tätig. Seit 1995 führt er Seminare mit Familienaufstellungen und Fortbildungen in mehreren Ländern durch. Er ist Autor von Büchern zu den Themen Kommunikation und Selbstmanagement.



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