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Von Storl, Wolf-Dieter
Koha, 2006. 258 S. m. SW-Illustr. u. 30 meist farb. Fotos auf Taf. 21,5 cm, Gebun
ISBN: 978-3-936862-86-7
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Was wir heute Natur nennen, nannten die germanischen Völker Midgard, Garten in der Mitte. Es ist der Wohnort für Menschen, Tiere, Pflanzen, Steine, Winde und Wasser. Jenseits von Midgard ist Utgard, die Außenwelt. Dort wohnen die Riesen, Alben, Totengeister, Zwerge und oberhalb davon die Götter.Zauberer - wir nennen sie heute Schamanen - waren die einzigen Menschen, die befähigt waren, ungestraft die Regionen Utgards zu bereisen. Nicht aus Neugierde oder zum Vergnügen reisten sie über die Grenzen des Alltags und des alltäglichen Bewusstseins hinaus, sondern zum Schutz der Gemeinschaft, zum Auffinden heilender Kräfte oder zur Abwehr dämonischer Einwirkungen.Heute wissen wir wenig über Utgard und seine Bewohner. Wir hegen den Aberglauben, dass es sich dabei lediglich um subjektive Fantasie, Einbildungen, Halluzinationen oder Hirnstoffwechselstörung handelt. Die Naturvölker und unsere Ahnen lehren uns des Besseren. In diesem Buch erzählt Wolf-Dieter Storl von persönlichen Erlebnissen mit Wesen, die ihm am Rande Midgards begegneten.
Eine Reise, die den Autor über die Scheiterhaufen am Ganges, in die Totenwelt führte.Das Erwecken eines Drachen in Irland. Warum es die Geistwesen stört, wenn man versucht ein Ritual zu filmen. Der Himmelsdrache und die schwarze Göttin der kanarischen Ureinwohner. Das Ende vom Paradis: Der magische Strand von Kovalam. Ein Besuch bei Amma. Die kleinen Leute, die im See verschwanden - eine Cheyenne Vision.Alberich und sein Elixier: Zum hundertsten Geburtstag von Albert Hofmann. Zen Meister und Berserker: Biker in Wyoming
Fernsehen, Computer und anderer titanischer ZauberMit Filmen und Fernsehen ist das so eine zwiespältige Sache. In den 60 ger Jahren trafen wir die einsame Entscheidung, das Fernsehgerät in den Müll zu werfen. Als junger Soziologiedozent ärgerte es mich, wie sehr das Fernsehen das Bewusstsein der Menschen prägt, wie es ihre Gedanken und Anschauungsweise dominiert, Rollenmodelle bereitstellt, ihre politischen Entscheidungen beeinflusst. Schon an dem täglichen Verhalten der Studenten, der Art wie sie sich kleideten, wie sie sich bewegten, was sie erzählten, welche Meinungen sie hatten, konnte man diese magische Fernsteuerung erkennen. Also, raus mit der Kiste.Dass das eine revolutionäre Tat war, wurde klar, als eines Tages die Eltern eines der Studenten an die Tür klopften. Wir luden sie, wie es amerikanischer Brauch verlangte, zu einer Tasse Kaffee ins Wohnzimmer. Sie waren sehr besorgt um ihren langhaarigen Sprössling. Nicht nur war er in der Anti-Vietnamkriegsbewegung aktiv, sondern er dealte anscheinend auch. Sie hegten den Verdacht das hörte man durch dass meine sozialkritischen Vorlesungen dafür mit verantwortlich sein könnten. Dabei war gerade das Gegenteil Fall. Als er mir einmal erzählte, wie sehr er seine spießigen Eltern und überhaupt das Establishment hasse und dass es sein Lebensziel war, in Chicago cooler Heroinpusher werden, gab ich mir jede Mühe, um ihm Vernunft einzureden.Ich versuchte die Eltern zu beruhigen. Mit nervösen Blicken tasteten sie das Zimmer ab. Als hätte sie den Corpus delicti gefunden, schrie die Frau plötzlich hysterisch auf, Ich hab doch gewusst! Das sind Kommunisten! Die haben ja keinenFernseher. Damit sprangen sie auf und flüchteten zu ihrem Wagen.Ja, das Fernsehen definiert für die Amerikaner die Wirklichkeit. Es ist die Orakelstätte, die Stars, Autoritäten und andere mystische Wesen erscheinen lässt und einem sagt, was im Leben wichtig ist und was nicht. Es ist der Altar, vor dem sich die Familie versammelt. Auf der Fernsehkommode werden die eingerahmten Fotos von Familienmitgliedern, die an weit entfernten Orten leben oder längst gestorben sind, aufgestellt, und oft hat da auch die Familienbibel, das Wort Gottes , seinen Platz. Snacks oder TV-Dinners Mikrowellengerichte, die man während der Werbung aufwärmen kann werden vor diesem Altar gegessen, als wären sie Kommunion. Und viele Amerikaner haben einen Fernsehapparat in jedem Zimmer. Man will doch mit der Wirklichkeit verbunden bleiben, sagte mir eine Nachbarin, bei der Fernsehapparate sogar im Klo und über dem Bett den ganzen Tag in Betrieb waren. Unser Verzicht auf die tägliche Berieselung war also tatsächlich eine ketzerische Freveltat.
Wolf-Dieter Storl, geboren in Sachsen und aufgewachsen in den USA, ist promovierter Kulturantropologe und Ethnobotaniker. Lehrte 20 Jahre an verschiedenen Universitäten in USA, in Indien und Europa. 1982 für zwei Jahre als Feldforscher und "Visiting Scholar" zur Benares Hindu University (BHU). Dann Pilgerfahrt zu den heiligen Orten zwischen Kanyakumari im Süden und den Bergen des Himalaja im Norden. Seit 1988 freier Schriftsteller auf einem Einödhof im Allgäu.
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